Großer Andrang beim Neujahrsempfang mit Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel in Neuhermsheim
Am Freitag, den 16. Januar 2009 veranstaltete die CDU Neuostheim / Neuhermsheim gemeinsam mit der CDU Oststadt / Schwetzingerstadt im Evangelischen Gemeindezentrum in Neuhermsheim. Rund 120 Bürgerinnen und Bürger folgten dieser Einladung und waren vom Auftritt des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel begeistert. Erwin Teufel sprach in seiner rund 40-minütigen Rede die aus seiner Sicht wichtigsten Grundlagen des menschlichen Miteinanders an, ohne die ein gedeihliches Zusammenleben nicht möglich sei. Er unterlegte seine Ausführungen mit zahlreichen Zitaten von Politikern und Philosophen. Kernpunkte seiner Ansprache waren unter anderem, dass die Menschen Vertrauen zu ihren Politikern haben müssten. Dieses würde aber nur dann von den Menschen entgegen gebracht, wenn die Taten des handelnden Politikers in Einklang zu dessen Worten stünden.
Zudem griff er das Thema Wirtschaft auf. Ihm sei wichtig, zu betonen, dass die Wirtschaft eben für den Menschen und nicht die Menschen für die Wirtschaft da zu sein habe. Auch im Wirtschaftsleben müsse Menschlichkeit praktiziert werden. Der eine Vertragspartner müsse das Gefühl haben, dass sein Geschäft mit dem anderen auf einer fairen Basis abgeschlossen sei. Zudem machte sich Erwin Teufel dafür stark, dass bei allen familienpolitischen Diskussionen das Wohl des Kindes stets im Vordergrund stehen müsse. Er mahnte in diesem Zusammenhang an, dass Eltern nicht nur das Recht auf Erziehung ihrer Kinder hätten, sondern auch die Pflicht dazu. Diese Pflicht würde heute von vielen Eltern auf den Staat abgewälzt. Viele Eltern seien der irrigen Auffassung, dass die Erziehung ihrer Kinder im Kindergarten oder in der Schule erfolgen solle. Damit sei der Staat aber nicht nur finanziell überfordert, sondern auch tatsächlich. Keine staatliche Institution sei in der Lage, die fehlende Erziehung der Eltern vorzunehmen. Eltern müssten stets als Vorbilder ihrer Kinder ihr eigenes Verhalten kritisch überprüfen und entsprechend handeln. Schließlich würde ein Kind vor allem in der eigenen Familie lernen, was sich gehört und was sich auch nicht gehört.
Erwin Teufel sprach noch etliche Themen wie die Bedeutung des Rechtsstaats für unser Gemeinwohl, die Mitmenschlichkeit oder auch das Mitleid mit unseren Mitmenschen an. Letztlich sprach er sich für klare Wertorientierung der Menschen und vor allem der Führungskräfte und Politiker aus.
Zuvor begrüßte ihn Steffen Ratzel, der Vorsitzende der CDU Neuostheim / Neuhermsheim sehr herzlich und dankte Teufel, dass er eigens wegen dieser Veranstaltung den weiten Weg aus seiner Heimatgemeinde Spaichingen auf der Schwäbischen Alb auf sich genommen habe. Die Rede von Steffen Ratzel ist unten nachzulesen. Dr. Ludovic Roy, der Vorsitzende der CDU Oststadt / Schwetzingerstadt dankte Herr Teufel für seine großartige Ansprache, die vielen Anwesenden aus dem Herzen sprach. Herr Teufel benötige eben kein politisches Amt um gehört zu werden und Säle zu füllen, so Dr. Roy. Die beiden Vorsitzenden überreichten Herrn Teufel als kleine Erinnerung an diesen schönen Abend einen Wasserturm aus Schokolade und einen Mannheim-Brockhaus.
Musikalisch umrahmt wurde der offizielle Teil durch Adrian Lewczuk, der mit seinem E-Piano und Gesang für gute Stimmung sorgte. Diese hielt auch noch beim anschließenden Sektempfang an.
Begrüßungsansprache von Steffen Ratzel:
„Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Mitglieder der CDU,
zu unserer gemeinsamen Neujahrsveranstaltung der CDU Ortsverbände Neuostheim / Neuhermsheim und Oststadt / Schwetzingerstadt heiße ich Sie auch im Namen meines Kollegen Dr. Ludovic Roy herzlich willkommen. Ich freue mich sehr, dass Sie dieser Einladung so zahlreich gefolgt sind. Dies belegt die hohe Wertschätzung für unseren heutigen Festredner.
Ihnen allen und Ihren Familien wünsche ich ein gutes Jahr 2009. Ich wünsche Ihnen sowohl privat, als auch beruflich alles Gute und vor allem beste Gesundheit.
Wie Sie wissen, ist das Jahr 2009 ein Superwahljahr. Nicht weniger als 3 Urnengänge stehen uns bevor. Anfang Juni finden die Kommunal- und Europawahlen statt, im September wählen Sie einen neuen Deutschen Bundestag. Für alle Parteien und ihre Mitglieder stehen also arbeitsreiche und spannende Monate bevor. Die CDU kann mit großer Zuversicht in alle Abstimmungen gehen. Wir bieten auf allen Ebenen ein inhaltlich und personell überzeugendes Angebot an. Mit Geschlossenheit und Elan setzen wir bei allen Wahlen auf Sieg und nicht auf Platz!
Wir haben uns aber für den heutigen Abend ganz bewusst vorgenommen, keine Wahlkampfveranstaltung durchzuführen. Wir wollen diesen Neujahrsempfang nutzen, um uns Gedanken zu dieser Zeit und den Werten unserer Gesellschaft und den Überzeugungen der CDU zu machen.
Dafür ist unser heutiger Festredner der Beste den man in der CDU bekommen kann!
Das letzte Jahr hat genügend Anlass gegeben, einmal über die tagespolitische Aktualität hinaus zu blicken. Uns alle hat die Banken- und Finanzkrise täglich in ihren Bann gezogen. Sprach- und teilweise ratlos mussten wir mit ansehen, wie alltäglich neue Hiobsbotschaften zunächst aus den USA, dann auch aus Europa und Deutschland auf uns herniedergingen. Inzwischen hat uns die Finanzkrise voll erwischt. Auch andere Branchen haben sich an ihr infiziert und kränkeln. Wir werden viel Kraft, Geduld, politisches Geschick und Zuversicht benötigen, um aus dieser Krise herauszukommen.
Für mich stellt sich nicht nur die Frage, wie wir wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren können, sondern wie es überhaupt zu einer solch dramatischen Situation kommen konnte. Vordergründig sind die komplexen und undurchschaubaren Finanzprodukte und zu hoch eingegangene Risiken von Banken und Anlegern Auslöser der Misere. Doch tatsächlich sind diese nur das Resultat eines immer öfter zu verzeichnenden übersteigerten Strebens nach Geld und Ichbezogenheit. Nicht der Wunsch nach Wohlstand, sondern nach purem Reichtum ist heute für viele der alleinige Sinn ihres Lebens. Und dieses Ziel wird mit allen Mitteln verfolgt. Legalen, aber auch zunehmend illegalen. Und das Schlimmste dabei, auch auf Kosten anderer.
Versuchen sich die einen durch dubiose Finanzprodukte unlautere Vorteile zu verschaffen, halten es andere für gerechtfertigt Steuern in großem Umfang zu hinterziehen.
Ich nenne dabei nur das in den besten Kreisen so beliebte Urlaubsparadies Liechtenstein.
Unternehmen werden von Korruptionsaffären erschüttert, Manager erhalten trotz Misswirtschaft Millionenabfindungen, Betriebsräte genießen auf Kosten des Unternehmens die Annehmlichkeiten des niedersächsischen und sogar brasilianischen Nachtlebens, Politiker lassen sich von Unternehmen aushalten und instrumentalisieren usw. und so fort. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.
Dass wir uns nicht missverstehen. Ich behaupte nicht, dass dies die Regel ist. Zum Glück nicht. Nach wie vor sind die meisten in unserem Land ehrbare Leute. Aber die Zahl derer, die von der Gier getrieben sind, hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen.
Und warum?
Immer häufiger lässt sich beobachten, dass vor allem derjenige gesellschaftliche Achtung genießt, der reich ist. Nicht die Leistung, wie er sein Vermögen erworben hat, wird heute anerkannt. Entscheidend ist das reine Ergebnis.
Nicht der Weg dorthin wird gewürdigt, sondern der Erfolg an sich. Und dies hat katastrophale Auswirkungen für unser Gemeinwesen insgesamt. Linke Ideologen frohlocken. Sie machen die Marktwirtschaft für diese Auswüchse verantwortlich und versuchen die Menschen mit längst überholten sozialistischen Parolen zu verführen.
Wir als CDU haben einem solchen Kapitalismus nie das Wort geredet hat. Ludwig Erhard hat die SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT erdacht und durchgesetzt. Wir haben uns immer dafür stark gemacht, dass sich Leistung lohnt. Leistung wohlgemerkt! Nicht dubiose Machenschaften! Und wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass der Stärkere dem Schwächeren hilft, die wirklich Bedürftigen auf Hilfe der Gemeinschaft vertrauen konnten.
Das Verhalten dieser Abzocker hat unser Wirtschaftssystem teilweise in Misskredit gebracht. Unternehmer werden zu Sündenböcken der Misere gemacht, herausragende Leistungsträger müssen sich für ihr Einkommen rechtfertigen, der Begriff Manager ist negativ behaftet. Immer mehr Menschen glauben, der Staat müsse stärker ins Wirtschaftsleben eingreifen. Insgesamt eine Entwicklung, die uns Sorgen bereiten sollte. Die Misere der sozialistischen Planwirtschaft ist uns aus der DDR noch gut in Erinnerung. Doch viele verdrängen dies oder verleugnen es gar. Das sollte uns aufrütteln.
Eines müssen wir den Menschen klar machen:
Die Soziale Marktwirtschaft, die die CDU hat zu einem Wohlstand geführt, wie wir ihn in Deutschland nie zuvor kannten. Und das für den weit überwiegenden Teil unseres Volkes. Wir dürfen nicht länger hinnehmen, dass eine kleine gierige Schicht dies alles aufs Spiel setzt. Wir brauchen wieder einen gesellschaftlichen Konsens, dass ehrbare Leistung geschätzt und belohnt, unseriöses oder gar kriminelles Abzockerverhalten geächtet wird. Nur so wird es uns gelingen, das nötige Vertrauen in unsere Wirtschaftsordnung wieder herzustellen.
Dazu brauchen wir tatsächlich eine geistig-moralische Wende. Tugenden wie Ehrlichkeit, Fleiß, Bescheidenheit und Disziplin sind keine überholten Charaktereigenschaften. Sie sind zeitlos gültig und nötiger denn je. Die CDU muss sich wieder deutlicher zu diesen Tugenden bekennen und ihre Politik danach ausrichten. Wir brauchen wieder eine Politik für die große leistungsbereite Mittelschicht und nicht nur für Randgruppen.
Und wir brauchen wieder mehr Vorbilder, an denen sich die Menschen ausrichten können. Nicht nur in der Wirtschaft, auch im Sport, in der Kultur und nicht zuletzt in der Politik. Aber es gibt sie noch. Menschen an denen man sich orientieren kann.
Deshalb habe ich ganz bewusst unseren früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel nach Mannheim eingeladen.
Ein Mann, der Baden-Württemberg in seiner 14-jährigen Amtszeit als Ministerpräsident an die Spitze der deutschen Länder führte,
Ein Mann, der auch bei Gegenwind zu seinen Überzeugungen stand und sich nicht vom Zeitgeist wie ein Fähnchen im Wind drehen ließ,
ein Mann, der wegen seiner Prinzipientreue und Standfestigkeit von seinen Anhängern geschätzt und von seinen Gegnern bekämpft wurde,
ein Mann, dem Inhalte immer wichtiger waren als Showeffekte,
ein Mann der genau deshalb dem Deutschen Ethikrat angehört,
ein Mann, dem die Menschen vertrauen.“
